Essay
Warum ich von Hand schreibe
Der erste Entwurf entsteht bei mir auf Papier. Nicht aus Nostalgie, sondern weil die Hand langsamer ist als der Kopf.
Auf dem Bildschirm sieht jeder Satz sofort fertig aus. Die Schrift ist gleichmässig, die Ränder sind gerade, nichts verrät, dass ein Gedanke noch unsicher ist. Auf Papier dagegen sieht man jedem Satz an, wie er entstanden ist: durchgestrichen, darübergeschrieben, mit einem Pfeil an eine andere Stelle verschoben.
Diese Spuren sind kein Makel. Sie sind die Geschichte des Textes, und manchmal ist die verworfene Fassung die bessere. Am Computer wäre sie verschwunden.
Die Hand als Bremse
Die Hand schreibt etwa ein Drittel so schnell, wie ich tippe. Das klingt nach Verlust, ist aber ein Filter: Was den Weg vom Kopf aufs Papier nicht wert ist, schreibe ich gar nicht erst hin.
Auf Papier sieht man jedem Satz an, wie er entstanden ist.
Abgetippt wird später, und dabei entsteht der Text ein zweites Mal. Das ist die erste Überarbeitung — und oft die wichtigste.
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