Prosa
Zwölf Sätze über den Herbst
Eine kleine Übung: zwölf Sätze, jeder ein Bild.
Am Morgen liegt der Nebel so tief im Tal, dass die Kirchturmspitze darüber zu schweben scheint.
Die Äpfel im Gras haben braune Stellen, und die Wespen wissen davon.
Auf dem Markt riecht es nach Rauch und nach Zimt, obwohl niemand Zimt verkauft.
Ein Kind sammelt Kastanien, nicht um sie zu essen, sondern um sie zu zählen.
Die Linde vor dem Haus wirft ihre Blätter nicht ab, sie legt sie hin.
Um fünf Uhr ist das Licht schon müde.
Im Zug sitzen die Leute mit nassen Schirmen und trockenen Gesichtern.
Jemand hat einen Handschuh auf den Zaunpfahl gesteckt, für den, der ihn verloren hat.
Der See ist grau, aber nicht traurig, eher still.
In der Küche läuft das Radio, und keiner hört zu.
Am Abend stehen die Stiefel nebeneinander, als hätten sie sich etwas zu erzählen.
Und nachts, wenn der Wind dreht, klopft der Herbst ans Fenster und geht weiter.
Kommentare
Noch keine Kommentare — schreiben Sie den ersten.